Assessments und Pflegerisiken 2017

Nur wenige Pflegerisiken lassen sich mittels Skalen und Punktwerten verlässlich messen. Viel häufiger müssen sich Pflegekräfte auf ihre langjährige Erfahrung und auf ihre Intuition verlassen, um die individuelle Gefährdung eines Senioren abzuschätzen. Wir zeigen Ihnen in dieser Woche, dass die Kombination aus Bauchgefühl und Pflegewissenschaft erstaunlich gut funktionieren kann.

Wir freuen uns auf Kritik, Verbesserungsvorschläge und Praxistipps. Sie können uns Ihre Einschätzung per eMail an info@pqsg.de senden oder direkt hier in den Blog posten.

Noch zwei Hinweise:

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Standard "Schluckstörungen: Risikoeinschätzung und Erkennung"
Version 2.05a - 2017
Stand: 29. Januar 2017
Titelthema: 30. Januar 2017
Zum Artikel

Standard "Erkennung von Depressionen"
Version 2.08 - 2017
Stand: 29. Januar 2017
Titelthema: 30. Januar 2017
Zum Artikel

14 Gedanken zu “Assessments und Pflegerisiken 2017

  1. Chefkoch

    Für jedes Problem gibt es das passende Hilfsmittel. Ich habe gute Erfahrungen gemacht mit Dysphagiebechern ("Nasenbechern"). Durch den Nasenausschnitt macht der Becher eine gerade Kopfhaltung möglich. Der Kopf muss beim Trinken nicht nach hinten überstreckt werden.

  2. Frieda

    Moin Hr. Kurth !

    @ Standard Erkennen von Depressionen/psychatrische Diagnostik

    Auaha !
    Bei uns in der Gegend brauche ich rd. 6 Monate Wartezeit oder eine Notfalleinweisung in die Klinik damit mein Bewohner einen Psych zu Gesicht bekommt.
    Gerade Depressionen können sich so schnell und gründlich festfressen....
    Da nehme ich mir doch ersteinmal den Hausarzt beiseite und frage ihn, ob er inzwischen so´n Schächtelchen Venlafaxin spendieren könnte.

    Frage : War so etwas mit der "Kombination" in Ihrem Beitrag gemeint ?
    Ich tue so, aber :
    ~~~ Kinners, das kann ich doch nie in einem Standard bringen ! ~~~

    1. Karlchen

      OK, dann müsste es im Standard heißen:

      Da wir sowieso keinen zeitnahen Termin beim Psychologen bekommen, ballern wir den Bewohner mit Phenylethylaminen voll, bis er kleine weiße Mäuse auf dem Tisch tanzen sieht. Auf Nebenwirkungen wie Schlaflosigkeit, Schwindel, Blutdruckerhöhung und Herzbeschwerden achten wir nicht, weil diese aufgrund der fünffach gesteigerten Suizidalität, eh nicht lange eine Rolle spielen.

      (Achtung: Sarkasmus!)

    2. Ich leite es mal an die Autorinnen weiter. Die fachärztliche Versorgung für psychisch kranke Senioren ist vielerorts tatsächlich eine Katastrophe. In einem Pflegestandard geht man zunächst immer erst mal davon aus, das auch die Ärzte mitziehen; etwa bei der Terminvergabe. Das ist leider nicht immer so.

    3. Bibo

      Manchmal kann ein Hausarzt die Terminvergabe beschleunigen, wenn er beim Facharzt anruft und die Dringlichkeit schildert.

  3. Frieda

    @ Standard Schluckstörungen /Risikokandidaten

    Böse Überraschungen habe ich hier erlebt mit :
    - fortgeschrittener Demenz : Die Leutchen vergessen, dass sie gerade am Essen sind, wenden sich mit vollem Mund anderen Dingen zu und ....
    - manischen/affektierten Menschen : Sie müssen sich ständig verbal ausdrücken, auch während der Mahlzeiten.
    - Somnolenz / Schlaf- und Beruhigungsmitteln : Man sollte schon schauen, dass der Bewohner während der oralen Nahrungsaufnahme tatsächlich wach ist oder ggf. beraten, dass es nicht sinnvoll ist, nach 2mg Lorazepam Drops zu lutschen.

    1. Karlchen

      Nicht vergessen: Das ständige und wiederholte Anleiten zum Essen ist relevant bei der Begutachtung für den Pflegegrade. In vielen Fällen wird hier ein "selbstständig" eingetragen, obwohl der Bewohner tatsächlich immer wieder eine Aufforderung braucht.

    2. Diese Punkte bauen wir vielleicht besser in die Standards für die jeweiligen Krankheitsbilder ein; hier also Demenz, Manie oder Somnolenz.

      Wir haben die Thematik z. B. schon in den Standardpflegeplänen Demenz behandelt:
      https://www.pqsg.de/seiten/premium/artikel/hintergrund-spp-demenz-mittel.htm

      Problem:
      Der Bewohner ist nicht in der Lage, über eine ausreichend lange Zeit am Tisch sitzen zu bleiben. Er steht immer wieder vom Tisch auf und unterbricht die Nahrungsaufnahme.

      Maßnahmen:

      Wir prüfen, ob wir den Bewohner durch gutes Zureden wieder dazu motivieren können, die Mahlzeit fortzusetzen.
      Wir prüfen, ob der Sitzpartner ein Faktor für das Verhalten des Bewohners ist. Es kann hier Abneigungen geben, die den Impuls zum Aufstehen verstärken. Oder aber der Bewohner ist leichter am Tisch zu halten, weil ihm die Tischgemeinschaft sympathisch ist.
      Wir prüfen, ob es biografisch verankerte Gewohnheiten gibt, die der Bewohner im Pflegeheim nicht ausleben kann und die ihn dazu bringen, den Tisch zu verlassen. Also etwa die fehlende Zeitung auf dem Esstisch.
      Gelingt dieses nicht, lassen wir ihn gewähren. Ggf. geben wir ihm etwas zu essen mit. Also etwa ein belegtes Brötchen, das er während des Gehens essen kann.
      Die Mahlzeit wird ggf. in der Mikrowelle aufgewärmt, wenn der Bewohner zu einem späteren Zeitpunkt weiteressen möchte.

  4. Karlchen

    Die Schluckstörungen sind eigentlich kein "Risiko", da sie im Alter nahezu immer auftreten. Nur sehr wenige Senioren werden davon verschont. Eigentlich geht es primär darum, das Ausmaß der Schluckstörungen richtig einzuschätzen und dann die notwendigen Maßnahmen einzuleiten.

    1. Frieda

      Super Karlchen !

      Du hast es mal wieder den Punkt gebracht !
      Das Risikoscreening darf man nicht nur nach Formblättern abarbeiten.
      Fallbespiel :
      Im Zuge der SIS tauchte so ein wunderschöner, bunter, doppelseitiger DIN-3-Bogen auf.
      Problem :
      Unsere PDL steht drauf und ist böse verstimmt, wenn ich meine eigene Einschätzung/Ergänzung kurzerhand an das Teilchen antackere.
      Maßnahme :
      Ich lade meine PDL zur Pflegevisite ein.
      Ergebnis :
      Wir bekommen festeres Papier damit unsere Ergänzungen nicht aus der Dokumappe herausflattern 😉

  5. Cheeseburger ohne Käse

    Hier zeigt sich - einmal mehr - das Versagen der Pflegewissenschaft. Wenn die jetzt sagen, dass die Braden-Skala nicht funktioniert, dann erwarte ich, dass sie an etwas Besserem forschen. Dass es keine validen Skalen für das Kontrakturrisiko und viele anderen Gefährdungen gibt, ist doch ein Armutszeugnis.

    Was machen die Pflegewissenschaftlicher eigentlich so den ganzen Tag?

    1. Karlchen

      Zumindest wissen wir dank der Pflegewissenschaftler, dass das damals mit dem eisen und föhnen keine so gute Idee war.

      😉

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