Chronische Wunden (3. Update)

Noch bis in die frühen 80er-Jahre gab es keine wissenschaftliche fundierte Strategie zur Prophylaxe und zur Therapie von Druckgeschwüren und anderen chronischen Wunden. Inzwischen jedoch sind Auflagen verfügbar, mit denen nahezu jeder Hautdefekt abheilen kann. Doch dafür braucht es Pflegekräfte, die ihr Handwerk verstehen. Und Krankenkassen, die nicht bei jeder Leistungsbewilligung den Rotstift ansetzen.

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Standard "Verbandswechsel Dekubitus"
Version 2.05 - 2017
Stand: 17. November 2017
Titelthema: 20. November 2017
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Standard "Vakuumtherapie"
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Stand: 17. November 2017
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35 Gedanken zu “Chronische Wunden (3. Update)

  1. Frieda

    In der ambulanten sind die Lichtverhältnisse manchmal "suboptimal".
    In meiner Pflegetasche habe ich u.a. eine Stirnlampe und eine Lupenbrille.
    (Findet man günstigerweise im gut sortierten Baumarkt. Mein Chef hat mir die Auslagen - entgegen seiner üblichen Art - anstandslos erstattet.)
    Besonders bei tieferen Wunden, Fistelungen u.ä. ist das Gold wert.

    Antwort
    1. admin71

      Hallo!

      Den Punkt haben wir unter "Organisation" aber schon drin. Wir haben es in die Materialliste nicht aufgenommen, weil solche Lampen etwas "unorthodox" sind.

      "Bei unterminierten Wunden kann zum Ausleuchten eine Stirnlampe sinnvoll sein."

      🙂

      Antwort
      1. Frieda

        Danke!

        Hab´s überlesen.
        "Unorthodox"? In der ambulanten eher nicht. Auf die Ausleuchtung der Zuwegung haben wir höchstens beratenden Einfluss; und ich möchte nicht in den Schafsköttel treten. 😉

        Antwort
  2. BigM

    Meiner Ansicht nach gibt es keine Alternative zur Non-Touch-Technik. Auch ein "steriler" Handschuh ist bereits wenige Minuten nach dem Auspacken fast schon eine Keimschleuder. Wenn man es einmal mit der Pinzette richtig gelernt hat, muss man nicht mehr mit den Fingern in der Wunde herumpfuschen.

    Das sollten endlich auch die Pflegeschulen einsehen und Manipulationen an der Wunde mit Handschuhen unterbinden.

    Antwort
  3. Martin

    Eine Vakuumtherapie kostet durschschnittlich rund 2300 Euro. Klar, dass die Krankenkassen das nicht gerne zahlen. Eine Therapie mit Alginaten kostet nur knapp die Hälfte, dauert aber viel länger und ist längst nicht so erfolgsversprechend.

    Antwort
    1. BigM

      Die Vakuumtherapie ist übrigens in der Veterinärmedizin längst Standardtherapie. Kurios: Bei uns wird manch ein Hund moderner versorgt als ein Rentner. 😉

      Antwort
  4. Frieda

    @Kissenlagerung/Hyg

    Wenn ich in der ambulanten zu "patienteneigenen" Kissen greife, --- dann ganz sicher nicht zu Federkissen.
    Wenn ein Mensch eine Kissenlagerung braucht, ist er meist in einem AZ, wo er auf diese Milbendomizile gut und gerne verzichten kann.

    Antwort
  5. Frieda

    @Oberkörperhochlagerung

    Wenn der Bew. womöglich zur Seite kippen könnte (Kraftlosigkeit, Hemiplegie, Müdigkeit), rolle ich gerne ein großes Handtuch eng zusammen und stecke es neben der Schulter UNTER die Matratze.
    - "Friedas Recaro-Sitz" - Wenn man seine Maßnahmen mit einem Augenzwinkern kommuniziert, ist die Akzeptanz der Bewohner deutlich besser.
    (Der Lerneffekt bei Schülern und Praktikanten auch)

    Antwort
  6. Knolle

    Ich habe unlängst gelesen, dass man nicht mehr "lagern" sagen darf. Auch eine Lagerungung ist jetzt Teil des "Bewegungskonzepts".

    Antwort
    1. Martin

      Immer dann, wenn ein Pflegeforscher nicht genug zu tun hat, macht er sich daran, einen Pflegebegriff umzudefinieren. Ist das gleiche bei "Weglauftendenz" (falsch!) und "Hinlauftendenz" (richtig!).

      Ich werden weiterhin "Lagerung" sagen, weil ein Pflegebedürftigen dabei eben "gelagert" wird.

      Antwort
          1. MiKo

            Einfach aussitzen, bis sich der Wind wieder dreht. Solange der MDK nicht auf einer Änderung der Formulare besteht, fasse ich da nichts an.

  7. Volker

    Das die Verursachung eines Decubitus multifaktoriell sei, ist eigentlich eine Binsenweisheit und schon lange bekannt; nicht umsonst ist der evaluierte Expertenstandard zur Decubitusprophylaxe ja auch von den unsäglichen Skalierungen abgerückt; die PFK soll das Risiko individuell abschätzen, Lagerungsarten und -intervalle individuell festlagen.
    Ich habe 30 Berufsjahre am Bett und zwei Fachkraftausbildungen, bin seit 5 Jahren als Dozent an einer Altenpflegeschule. Das Feedback der Schüler (wir haben 500 und zig Träger als Kooperationspartner) zeigt unisono, das weiterhin so gut wie nur 30 re, 30 li, Rü gelagert wird, die allermeisten Fachkräfte fehlerhaft transferieren und lagern, beinahe immer diese unsägliche Wechseldruckmatratze verwendet wird, auch bei Demenz und extrapyramidalen Erkrankungen, wo diese ja weiß Gott nichts zu suchen hat.
    Wenn mal Weich- oder Superweich ins Spiel kommt, dann ist man eher überrascht; kaum jemand hat mal was von Torsionsfedermatratzen gehört oder Microlagerungssystemen, die Intervalle meist wie bei weiland Florence Nightingale im Krimkrieg; keine 135°, keine 90°, keine 10°, keine 45°, alle noch nie was von gehört; immer noch wird was unter die Fersen in Rü-Lage gelegt, obwohl durch den veränderten Einstellwinkel der unteren Extremitäten dann das Risiko im Sacralbereich erhöht wird, in jedem Wohnbereich, den ich leitete mußte ich den MA erstmal die nötige Technik vermitteln (bin auch PDL) und bin dabei auf große Wiederstände gestoßen.
    Was nützen die Erkenntnisse, die, wie gesagt, nun sicher nicht der neue Stein der Weisen sind, wenn Schüler das erlernte nicht anwenden dürfen und in vielen Bereichen so wie vor 20 Jahren gepflegt wird?
    LG

    Antwort
    1. Martin

      Die Schulbücher in den Pflegeschulen laufen häufig der aktuellen Entwicklung fünf Jahre hinterher. Das hat aber den Vorteil, dass nicht jeder Mode gefolgt wird.

      Antwort
      1. Pflegekraft auf der Flucht

        Wäre ja schön, wenn es nur fünf Jahre wären. Die Bibliotheken der meisten Pflegeschulen gehen schon fast als Antiquariat durch.

        Antwort
        1. Volker

          Stimmt!
          Wobei "antiquarisch" auch schon ein Euphemismus ist!
          Die Fachliteratur, Bücher, Studien, Pflegezeitschriften, auch
          evaluerte und neue Expertenstandards beschaffe ich mir selbst
          (-unter nicht ganz geringem eigenen finanziellen Aufwand-); was bleibt einem übrig?!?

          Antwort
  8. Frieda

    @ SPP Dekubitus/"Für sicher Umgebung ..."

    Es sind nicht nur Schläuche und Sonden, die zum Problem werden können.
    - Brille, -Hörgerät, -Implantate (Schrittmacher/ Btm. oder Insulinpumpe u.a.),
    - Piercings (hoffentlich richtig geschrieben) ~ Wo auch immer sie sich befinden(!)

    Ähhh.... Hattet Ihr bei "sich kleiden" diese unsäglichen BH-Bügel mit drin?

    AD-Sitzkissen sind eine feine Sache. Nur muss dann auch das Sitzmöbel
    - im Sinne der Sturzprophylaxe - dazu passen. Ich lege kein Gelkissen auf einen handelsüblichen Küchenstuhl.

    Antwort
    1. Guter Hinweis. Alles eingebaut. Danke für die Ergänzungen!

      Freundliche Grüße aus Lachendorf

      Johannes Kurth
      Service-Team

      Problem:
      Der Bewohner trägt eine Brille und Hörgeräte. Diese üben Druck auf die Haut aus.
      Der Bewohner hat ein Implantat (Schrittmacher , Betäubungsmittel- oder Insulinpumpe). Das Implantat drückt auf die Haut und schädigt sie.

      Maßnahme:
      Die Lage der Brille und der Hörgeräte wird überprüft. Ggf. werden diese Hilfsmittel für die Dauer der Lagerung abgelegt.
      Der Bewohner wird so umgelagert, dass Implantate keinen Druck auf die Haut ausüben.

      Problem:
      Die Bewohnerin trägt einen BH mit Bügel. Dieser übt Druck auf die Haut aus und schädigt diese.

      Maßnahme:
      Die Bewohnerin soll einen BH ohne Bügel wählen.

      Sitzkissen:
      Wir prüfen, ob der Bewohner ein spezielles Gesäßkissen nutzen soll. Dieses ist nur bei stabilen Sitzmöbeln möglich. Wir prüfen, ob die Sitzposition durch das Kissen instabil wird und ein Sturz droht.

      Antwort
  9. Pflegekraft auf der Flucht

    Ich finde gut, dass die Mikrolagerungen endlich mal gewürdigt werden. Diese Technik ist häufig genug die letzte Option, wenn sonst nichts mehr geht. Leider kennen viele Kollegen z. B. die 5-Kissen-Lagerung gar nicht.

    Antwort
    1. Martin

      Mikrolagerung dürfen hinsichtlich ihrer Wirkung nicht überschätzt werden. Es handelt sich dabei nur um >>ergänzende<< Maßnahmen, mit denen sich die komplette Umlagerung etwas hinauszögern lässt.

      Das war ganz ähnlich, als die Wechseldruckmatratzen auf den Markt kamen. Da dachte auch jeder: "Hui, jetzt kann ich das Umlagern sparen."

      Das war ja bekanntlich nichts.

      Antwort
  10. Alte Pflegerin

    In Berlin haben wir Wundsprechstunden ambulant im Klinikum, das wäre dann vielleicht auch noch eine Option. Da kann der Betroffene mit Ersttermin hin und wird dann von dort entweder weiterterminiert oder mit VW Empfehlung zur weiteren Behandlung zum HA geschickt, der komischerweise sich dann auch plötzlich an die Empfehlung hält.
    Liebe Grüße "Alte Pflegerin"

    Antwort
  11. Anonymous

    Mich wurmt immer noch die Einstellung, dass jeder Dekubitus ein Pflegefehler ist. Bei vielen Bewohnern liegen so schwere Grunderkrankungen vor, dass sich ein Druckgeschwür manchmal nicht abwenden lässt. Viele Senioren akzeptieren das dauernde Umlagern auch nicht und drehen sich immer wieder auf ihre Lieblingsseite.

    Antwort
    1. Bibo

      Mit einer soliden Doku kannst Du das auch für Gericht nachweisen. Man kann den Bw nicht zu seinem Glück zwingen. Aber man kann sich soweit absichern, dass einem die KK vor Gericht nicht an die Karre fahren.

      Antwort
    2. Pflegekraft auf der Flucht

      Sollte es vor Gericht knallen, werden immer auch Gutachter angehört. Und wenn man da nicht an einen Vollpfosten gerät, wird der dem Richter schon sagen, was Trumpf ist.

      Antwort
  12. BigM

    Die beste Wundauflage nützt nichts, wenn der Arzt sie nicht verschreibt. Weil das Budget (leider!, leider!) diesmal nur für Fettgaze reicht. 🙁

    Antwort
    1. Anonymous

      Da hilft oft nur "Druck und Dosenbrot":
      - Erste Maßnahme: Pfl. Wundexperten (extern) draufschauen lassen.
      Der kann ja mal nachverhandeln. Bringt das nichts:
      - Zweite Maßnahme: Überweisung (chir) holen.
      Die haben ein ganz anderes "Bütjeh". Klappt das auch nicht:
      - Dritte Maßnahme: Notfall "konstruieren".
      Es gibt ja auch Mittwochnachmittage wo es dem Bewohner/Patienten üüüüberhaupt nicht gut geht. Der Bereitschaftsarzt wird i.d.R. einweisen.
      Wenn man Glück hat, kommt der Kunde mit einer vernünftigen Dekubitusversorgung aus der Klinik zurück. Wenn man Pech hat, mit weiteren Dekubiti. Fazit: Maßnahme/Option 3 empfiehlt sich nur, wenn die Klinik "vertrauenswürdig" ist. 🙁

      Antwort
      1. Pflegekraft auf der Flucht

        Das ist der Haken: Wenn unsere Bewohner aus der Klinik zurückkommen, sind die häufig in einem miserablen Zustand. Dekubitus, Kontrakturen und vielleicht noch ein wenig MRSA.

        Da frage ich mich: Warum eigentlich stehen Pflegekräfte im KH in der Hackordnung eigentlich über den Pflegekräften im Pflegeheim?

        Antwort
        1. Frieda

          Das tun sie nur, wenn die Heimkräfte (oder die ambulanten) sich es gefallen lassen.

          Klar, die Klinikkräfte haben die Ärzte dort im Rücken.
          Aber bei offensichtlichen Fehlleistungen scheue ich auch
          das Gespräch mit denen nicht.
          Es ist immerhin ein Kostenfaktor, den Bewohner/Patienten nach der
          Klinik wieder "zusammen zu puzzlen".

          Antwort

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