Update: Dekubitus

Pflegewissenschaftler beschreiben ein Druckgeschwür gerne als “multifaktorielle Erkrankung”. Übersetzt heißt das: An der Entstehung eines Dekubitus sind so viele Risikofaktoren beteiligt, dass niemand weiß, was genau für die Hautschädigung ursächlich ist. Entsprechend komplex ist die Formulierung einer guten Pflege- und Maßnahmenplanung.

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Standardmaßnahmenplan "Dekubitusprophylaxe" (SIS / neues Strukturmodell)
Version 3.05a - 2017
Stand: 2. Juli 2017
Titelthema: 3. Juli 2017
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Standardpflegeplan "Dekubitusprophylaxe" (AEDL-System)
Version 3.05a - 2017
Stand: 2. Juli 2017
Titelthema: 3. Juli 2017
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15 Gedanken zu “Update: Dekubitus

  1. Volker

    Das die Verursachung eines Decubitus multifaktoriell sei, ist eigentlich eine Binsenweisheit und schon lange bekannt; nicht umsonst ist der evaluierte Expertenstandard zur Decubitusprophylaxe ja auch von den unsäglichen Skalierungen abgerückt; die PFK soll das Risiko individuell abschätzen, Lagerungsarten und -intervalle individuell festlagen.
    Ich habe 30 Berufsjahre am Bett und zwei Fachkraftausbildungen, bin seit 5 Jahren als Dozent an einer Altenpflegeschule. Das Feedback der Schüler (wir haben 500 und zig Träger als Kooperationspartner) zeigt unisono, das weiterhin so gut wie nur 30 re, 30 li, Rü gelagert wird, die allermeisten Fachkräfte fehlerhaft transferieren und lagern, beinahe immer diese unsägliche Wechseldruckmatratze verwendet wird, auch bei Demenz und extrapyramidalen Erkrankungen, wo diese ja weiß Gott nichts zu suchen hat.
    Wenn mal Weich- oder Superweich ins Spiel kommt, dann ist man eher überrascht; kaum jemand hat mal was von Torsionsfedermatratzen gehört oder Microlagerungssystemen, die Intervalle meist wie bei weiland Florence Nightingale im Krimkrieg; keine 135°, keine 90°, keine 10°, keine 45°, alle noch nie was von gehört; immer noch wird was unter die Fersen in Rü-Lage gelegt, obwohl durch den veränderten Einstellwinkel der unteren Extremitäten dann das Risiko im Sacralbereich erhöht wird, in jedem Wohnbereich, den ich leitete mußte ich den MA erstmal die nötige Technik vermitteln (bin auch PDL) und bin dabei auf große Wiederstände gestoßen.
    Was nützen die Erkenntnisse, die, wie gesagt, nun sicher nicht der neue Stein der Weisen sind, wenn Schüler das erlernte nicht anwenden dürfen und in vielen Bereichen so wie vor 20 Jahren gepflegt wird?
    LG

  2. Frieda

    @ SPP Dekubitus/"Für sicher Umgebung ..."

    Es sind nicht nur Schläuche und Sonden, die zum Problem werden können.
    - Brille, -Hörgerät, -Implantate (Schrittmacher/ Btm. oder Insulinpumpe u.a.),
    - Piercings (hoffentlich richtig geschrieben) ~ Wo auch immer sie sich befinden(!)

    Ähhh.... Hattet Ihr bei "sich kleiden" diese unsäglichen BH-Bügel mit drin?

    AD-Sitzkissen sind eine feine Sache. Nur muss dann auch das Sitzmöbel
    - im Sinne der Sturzprophylaxe - dazu passen. Ich lege kein Gelkissen auf einen handelsüblichen Küchenstuhl.

    1. Guter Hinweis. Alles eingebaut. Danke für die Ergänzungen!

      Freundliche Grüße aus Lachendorf

      Johannes Kurth
      Service-Team

      Problem:
      Der Bewohner trägt eine Brille und Hörgeräte. Diese üben Druck auf die Haut aus.
      Der Bewohner hat ein Implantat (Schrittmacher , Betäubungsmittel- oder Insulinpumpe). Das Implantat drückt auf die Haut und schädigt sie.

      Maßnahme:
      Die Lage der Brille und der Hörgeräte wird überprüft. Ggf. werden diese Hilfsmittel für die Dauer der Lagerung abgelegt.
      Der Bewohner wird so umgelagert, dass Implantate keinen Druck auf die Haut ausüben.

      Problem:
      Die Bewohnerin trägt einen BH mit Bügel. Dieser übt Druck auf die Haut aus und schädigt diese.

      Maßnahme:
      Die Bewohnerin soll einen BH ohne Bügel wählen.

      Sitzkissen:
      Wir prüfen, ob der Bewohner ein spezielles Gesäßkissen nutzen soll. Dieses ist nur bei stabilen Sitzmöbeln möglich. Wir prüfen, ob die Sitzposition durch das Kissen instabil wird und ein Sturz droht.

  3. Pflegekraft auf der Flucht

    Ich finde gut, dass die Mikrolagerungen endlich mal gewürdigt werden. Diese Technik ist häufig genug die letzte Option, wenn sonst nichts mehr geht. Leider kennen viele Kollegen z. B. die 5-Kissen-Lagerung gar nicht.

    1. Martin

      Mikrolagerung dürfen hinsichtlich ihrer Wirkung nicht überschätzt werden. Es handelt sich dabei nur um >>ergänzende<< Maßnahmen, mit denen sich die komplette Umlagerung etwas hinauszögern lässt.

      Das war ganz ähnlich, als die Wechseldruckmatratzen auf den Markt kamen. Da dachte auch jeder: "Hui, jetzt kann ich das Umlagern sparen."

      Das war ja bekanntlich nichts.

  4. Alte Pflegerin

    In Berlin haben wir Wundsprechstunden ambulant im Klinikum, das wäre dann vielleicht auch noch eine Option. Da kann der Betroffene mit Ersttermin hin und wird dann von dort entweder weiterterminiert oder mit VW Empfehlung zur weiteren Behandlung zum HA geschickt, der komischerweise sich dann auch plötzlich an die Empfehlung hält.
    Liebe Grüße "Alte Pflegerin"

    1. Pflegekraft auf der Flucht

      Ja, ja. Ein Weißkittel hat eben nur Respekt vor einem anderen Weißkittel. 🙂

  5. Anonymous

    Mich wurmt immer noch die Einstellung, dass jeder Dekubitus ein Pflegefehler ist. Bei vielen Bewohnern liegen so schwere Grunderkrankungen vor, dass sich ein Druckgeschwür manchmal nicht abwenden lässt. Viele Senioren akzeptieren das dauernde Umlagern auch nicht und drehen sich immer wieder auf ihre Lieblingsseite.

    1. Bibo

      Mit einer soliden Doku kannst Du das auch für Gericht nachweisen. Man kann den Bw nicht zu seinem Glück zwingen. Aber man kann sich soweit absichern, dass einem die KK vor Gericht nicht an die Karre fahren.

    2. Pflegekraft auf der Flucht

      Sollte es vor Gericht knallen, werden immer auch Gutachter angehört. Und wenn man da nicht an einen Vollpfosten gerät, wird der dem Richter schon sagen, was Trumpf ist.

  6. BigM

    Die beste Wundauflage nützt nichts, wenn der Arzt sie nicht verschreibt. Weil das Budget (leider!, leider!) diesmal nur für Fettgaze reicht. 🙁

    1. Anonymous

      Da hilft oft nur "Druck und Dosenbrot":
      - Erste Maßnahme: Pfl. Wundexperten (extern) draufschauen lassen.
      Der kann ja mal nachverhandeln. Bringt das nichts:
      - Zweite Maßnahme: Überweisung (chir) holen.
      Die haben ein ganz anderes "Bütjeh". Klappt das auch nicht:
      - Dritte Maßnahme: Notfall "konstruieren".
      Es gibt ja auch Mittwochnachmittage wo es dem Bewohner/Patienten üüüüberhaupt nicht gut geht. Der Bereitschaftsarzt wird i.d.R. einweisen.
      Wenn man Glück hat, kommt der Kunde mit einer vernünftigen Dekubitusversorgung aus der Klinik zurück. Wenn man Pech hat, mit weiteren Dekubiti. Fazit: Maßnahme/Option 3 empfiehlt sich nur, wenn die Klinik "vertrauenswürdig" ist. 🙁

      1. Pflegekraft auf der Flucht

        Das ist der Haken: Wenn unsere Bewohner aus der Klinik zurückkommen, sind die häufig in einem miserablen Zustand. Dekubitus, Kontrakturen und vielleicht noch ein wenig MRSA.

        Da frage ich mich: Warum eigentlich stehen Pflegekräfte im KH in der Hackordnung eigentlich über den Pflegekräften im Pflegeheim?

        1. Frieda

          Das tun sie nur, wenn die Heimkräfte (oder die ambulanten) sich es gefallen lassen.

          Klar, die Klinikkräfte haben die Ärzte dort im Rücken.
          Aber bei offensichtlichen Fehlleistungen scheue ich auch
          das Gespräch mit denen nicht.
          Es ist immerhin ein Kostenfaktor, den Bewohner/Patienten nach der
          Klinik wieder "zusammen zu puzzlen".

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