Pflegen wie vor hundert Jahren [1. Update]

Auch schon zu Kaisers Zeiten wussten erfahrene Pflegekräfte, wie sie Verstopfungen, Erkältungen und andere Zipperlein effektiv lindern. Durch den medizinischen Fortschritt der folgenden Jahrzehnte gerieten viele von "Omas Hausmitteln" fast in Vergessenheit. Stattdessen gibt es heute gegen alles eine Pille, eine Salbe oder eine Spritze. Wir zeigen Ihnen in dieser Woche, wie Sie klassische Pflegemaßnahmen sinnvoll einsetzen.

Wir freuen uns auf Kritik, Verbesserungsvorschläge und Praxistipps. Sie können uns Ihre Einschätzung per eMail an info@pqsg.de senden oder direkt hier in den Blog posten.

Noch zwei Hinweise:

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Standard "Kolonmassage"
Version 1.05a - 2017
Stand: 29. Juli 2017
Titelthema: 31. Juli 2017
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Standard "Fußbad""
Version 2.05a - 2017
Stand: 29. Juli 2017
Titelthema: 31. Juli 2017
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21 Gedanken zu “Pflegen wie vor hundert Jahren [1. Update]

  1. Anonymous

    Fußbad=> wer bitte macht in der Praxis das Fußbad bis zu den Waden?
    Ihr habt eine super Zeichnung, nur leider ist auf dieser auch nur der Knöchel benetzt. Zumal der Bewohner im Bett sitzt, wie soll denn das rein technisch funktionieren? Also entweder im Sitzen mit einer riesen Wanne, oder doch nur das Waschschüsselchen bis zu den Knöcheln.
    Liebe Grüße die "Alte Pflegerin"

    1. Stimmt. Die Positionierung des Bildes im Standard könnte zu Mißverständnissen führen. Ich habe das Foto in die Definition verschoben.

      Danke für den Hinweis

  2. Volker

    Zu "Pflege wie vor hundert Jahren"
    Die Crux, wie ich sie sehe, ist, das wir in der "Pflege" zuviel Krankenpflege machen, wir haben m.E. zu viele Leute aus der Krankenpflege in Leitungsfunktionen in der normalen Altenpflege.
    Die Dienstanweisungen, welche mir von meinen Schülern kolportiert werden, sind z.T. hanebüchen.
    Es geht halt nicht um das biomedizinische Verständnis, sondern um einen ganzheitlichen Ansatz. Da ich beide Fachkraftausbildungen absolvierte und dreißig Berufsjahre am Bett habe, maße ich mir da einfach mal ein Urteil an....
    Ein zuviel an Beadarfsmedikationen / Medikationen steht einem zu wenig an
    Zuwendungsaspekten und Hospitalismusprophylaxen gegenüber.
    In Studien ist schon lange nachgewiesen, das der Medikamenteneinsatz, und damit auch die Nebenwirkungen, deutlich sinken, wenn der Zuwendungsaspekt steigt.
    Die "alten Mittelchen" sind ja nun allgemein so schlecht auch nicht, zumal wir eben immer einen stärkeren Zuwendungsaspekt haben, sobald wir mit dem Bewohner am Bett etwas gemeinsam machen.
    Als Beispiel möchte ich den kalten Bauchwickel zur Obstipationsprophylaxe empfehlen, um einen stärkeren Laxantieneinsatz zu vermeiden.
    Auch Kräuter und Tees mit nachgewiesenen Wirkungen sind nicht zu verachten, z.B. Thymian, das nachgewiesen eine bakteriostatische Wirkung entfaltet. Den Thymian könnte man im Bereich der Beschäftigung vom sozialen Dienst von den Bewohnern anbauen lassen, die Freude an Gartenarbeiten haben, so etwas wäre denkbar, habe ich auch früher schon in meinen WBL-Zeiten so gamacht. Im übrigen ist doch alles da, was für Wickel, Auf- und Umschläge benötigt wird, Geschirrtücher, Bade- und Handtücher, kaltes und warmes Wasser.
    Wenn ich bei rheumatischer Arthritis, so sie nicht im Schub ist, vor Beginn der pflegerischen Tätigkeiten zunächst ein warmes Handbad anbiete, damit die Morgensteife reduziert wird und damit die Selbstpflegefähigkeiten verbessert, dann ist das sicher eine gute Sache.
    Ein höherer Zuwendungsaspekt bedeudet höhere Bewohnerzufiredenheit, dies widerum bedeutet höhere Mitarbeiterzufridenheit und damit weiniger Krankmeldungen...
    Meine Schülern im Unterricht vermittle ich nicht nur die moderne, Expertenorientierte Pfleg, sondern durchaus auch solche Techniken.
    Voraussetzung für deren Anwendung ich allerdings eine gute und sichere beobachtung, welche von ausreichendem Fachwissen untermauert sein muß; ich sollte schon wissen, ob ich jetzt einen Arzt rufen sollte oder ob der "Omma" ein Tee reicht.
    Bedarfsmedikationen habe ich in meinen letzten Jahren am Bett am Ende nur noch äüßerst selten gezogen, bzw. verabreichen müssen.
    Mag sein, das diese Dinge so auch nicht (immer) abrechenbar sind.
    Aber gibt es nicht auch eine pflegerische Kunst, genau wie eine ärztliche?
    Vor allem, haben wir nicht auch ein Berufsethos?
    Ich bin überzeugt, das diese "alten Mittel" für unsere eigene skill priority in der Altenpflege, die Zuwendung, das Gespräch, der Umgang mit Demenz etc., unerlässlich sind

  3. Frieda

    Grrmmpff ...

    Die "Medizin der alten Frauen" / "Meditsina starushki" dürfen wir doch heute gar nicht mehr anwenden.
    - Da bekommst Du kein Rezept oder AVO für.
    - Und auch wenn Du das in Deine Pflegestandards packen willst, scheitert das an den verfügbaren und/oder bezahlbaren/belastbaren Quellen.

    ~~~ honi soit qui mal y pense ~~~

    1. M

      Ich mag mich täuschen, aber: In den Fachbüchern ist heute viel mehr Platz für "Omas Pflegetricks". Pflegeschüler lernen inzwischen häufig schon wieder, wie ein Quarkwickel oder ein Kartoffelwickel funktionert.

    2. Die Wirksamkeit traditioneller Pflegemaßnahmen ist häufig gut belegt. Für die Kneipp-Anwendungen beispielsweise gibt es Literatur, Doktorarbeiten, Studien und Zeitschriftenbeiträge ohne Ende.

      Oder etwa die Frage: Wadenwickel oder fiebersenkende Medikamente? Auch das wurde schon in den 90ern von der University of Medicine and Dentistry of New Jersey sehr fundiert erforscht. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9145732?dopt=Abstract

      1. Frieda

        Dem kann ich nicht widersprechen.
        Übrig bleibt aber die Frage nach dem Personalschlüssel.
        Wenn ich in der ambulanten für den Patienten (Med-Gabe) 4 Minuten habe, entfällt Kneipp und Wickel wg. Bodennebel. Angehörige ?!? Wenn die auch nur inne Erbsen taugen würden, bräuchte ich nicht zur Med-Gabe fahren.
        Wenn die stationäre Kollegin 30 oder mehr Bewohnern alleine gegenübersteht bleibt ihr meist auch nur ein halbes Gramm Paracetamol o.ä.

  4. Bibo

    Wenn man die Situation der Pflegekräfte mit der Lage vor 100 Jahren vergleicht, sind die Probleme wirklich recht ähnlich. Das Ansehen des Jobs ist gering. Die Bezahlung ist (damals wie heute) ein Witz.

    Und zu Kaisers Zeiten wurde oftmals ohne Wochenende und Urlaub durchgeschuftet bis zum Umfallen. Genau wie heute. 🙂

    1. M

      Ironie der Geschichte: Vor genau 100 Jahren hatten Pflegekräfte einen besseren Stand. Es war Krieg. Jede Menge Verwundete. Wenig Ärzte. Viel Verantwortung auch für junge Schwestern.

  5. Martin

    In der Wundversorgung geht es sogar noch ein paar tausend Jahre weiter zurück bis in die Zeit der alten Pharaonen. Inzwischen wird wieder Honig genutzt, dazu Fliegenmaden und - bei Wundinfektionen - Silber. All diese Mittel haben den Vorteil, dass sie trotz MRSA-Infektionen prima funktionieren.

    1. Bibo

      Im "Post-Antibiotika-Zeitalter" kann das alles sicherlich nicht schaden. 😉

      Wenn erst mal das letzte Antibiotikum unwirksam geworden ist, sind wir ohnehin wieder im 19 Jahrhundert.

  6. Frieda

    Halbe Tablette = Halbes Geld !

    Häufige Beispiele: "Metformin" und "Levetiracetam"

    Der Patient/Bewohner bekommt 2 x tgl. 500 mg verordnet.
    Wenn nichts dagegen spricht, bestelle ich ein Rezept über 1000 mg Tbl. und den Mediplan mit 2 x tgl. 0,5 Tbl.
    - Ist der Bewohner/Patient nicht vom "Eigenanteil" befreit, ist das bares Geld.
    - Dem "Bütjeh" des Doktors dürfte das auch schmecken.
    Und was habe ich davon?
    - Ich brauche nur noch halb so oft Rezepte nachbestellen!

  7. Frieda

    St. "Umgang mit Haustürschlüsseln in der ambulanten Pflege"

    Klar! Der Name des Pflegekunden darf nicht auf dem Schlüsselanhänger stehen.
    Aber das Nummerieren hat sich bei uns als unpraktisch erwiesen.
    Dann muss ja jeder Mitarbeiter die Decodierliste mit sich führen, und/oder die Schlüsselnummer muss mit auf den Tourenplan.
    - Geht gar nicht! -
    Wir sind dazu übergegangen, einen Buchstabencode zu verwenden:
    Bestimmte Buchstaben des Vor- und Zunamens des Pflegekunden in definierter Reihenfolge.
    Klingt in Schriftform kompliziert, ist aber in der Praxis total einfach zu begreifen.
    Effekt: Keine zusätzliche Liste und der unehrliche Finder kann damit nichts anfangen.

  8. Frieda

    St. "Haarwäsche am Waschbecken" (ambulante Pflege)

    Unsortierte Gedanken:

    Manche "Badezimmer" sind schon ... recht beengt. Als man damals die Plattenbauten in Ost und West hochzog, dachte man nicht einmal im Traum daran, dass eigene Waschmaschinen, Katzenklos oder gar Trockner in einer Mietwohnung Einzug halten könnten.
    Die Haarwäsche in der Küche durchzuführen, ist eine probate Alternative.

    Sowohl in Bad, als auch in der Küche können Unterschränke stören.
    - "Macht auf die Tür, das Tor macht weit"- für mehr Beinfreiheit.

    Eng ist es eh. Wenn der Patient zudem - warum auch immer - unruhig ist, kann man die Armatur/den Wasserhahn mit einem Handtuch umwickeln, um Verletzungen zu vermeiden.

    Womöglich lässt sich der Duschschlauch der Badewannenarmatur tauschen oder verlängern. Dann kann man sich den "schöpferischen Akt" mit dem Krug am Waschbecken schenken.

    Es gibt Waschbecken- oder Küchenarmaturen mit herausziehbarem Duschkopf.

    ~~~ Halt alles eine Geldfrage ~~~ ??? Wohnraumanpassung gem. SGB XI ???

    1. "Alte Pflegerin"

      Zu Zeiten meiner ambulanten Pflege mit beengtem Bad habe ich auch schon mal einer Klientin einen blauen Müllsack aufgeschnitten und über den Kopf gezogen, das verlängert das Waschbecken. Dann kann man den "schöpferischen Akt" mit dem Krug bequemer und weniger dusch ähnlich vollziehen.*schmunzel*
      In der Hauskrankenpflege muss man erfindungsreich werden.
      Liebe Grüße die "Alte Pflegerin"

  9. Bibo

    Jaja. Die "alten Hasen" erlebe ich jeden Tag. Als die ihren Job gelernt haben, gab es noch prophylaktische Blasenspülungen, Salbenverbände mit Jod sowie Wundbehandlung mit Wasserstoffperoxid. Und der Fön wurde nicht nur für die Dauerwelle genutzt.

    Das wäre ja auch kein Problem, wenn man in den folgenden Jahrzehnten Interesse an Fortbildungen zeigen würde und neue Wissen annähme. Aber leider krankt es genau daran.

    1. Frieda

      Das neue Wissen finde ich ungemein hilfreich.
      Wenn eine zielführende Fortbildung angeboten wird, bin ich die erste die "Hier!" schreit. Flecken vom Rivanol oder Mercurochrom möchte ich auch nie wieder auf der Hose haben.
      Manche alte Praktiken vermisse ich aber schmerzlich: BetaisadonaSalbe 1:1 mit Haushaltszucker gemischt - und die Granulation geht ab wie Nachbar´s Katze. Peroxid in die vereiterte Nagelfalz erspart die orale Antibiose.
      Aber die Pharmabosse wollen ja auch leben. So verstecke ich halt den Erfahrungsschatz im Strumpf. Bei der Sparwut der Kassen sind wir bald wieder da, wo wir vor 37 Jahren waren;)

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