Pflegegrade [4. Update]

Auf dem Weg zu einem angemessenen Pflegegrad ist der MDK ein harter Gegenspieler. Wer die Kniffe und Fallstricke der neuen Richtlinien nicht kennt, wird bei der Eingradung stets nur der zweite Sieger bleiben. In dieser und in den folgenden Wochen zeigen wir Ihnen, wie Sie Ihre Position gegenüber dem Gutachter durchsetzen.

Wir freuen uns auf Kritik, Verbesserungsvorschläge und Praxistipps. Sie können uns Ihre Einschätzung per eMail an info@pqsg.de senden oder direkt hier in den Blog posten.

Noch zwei Hinweise:

  • Die Diskussionsbeiträge sind nach Aktualität von oben nach unten sortiert. Die neuesten Anworten erscheinen also oben.
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[4. Update vom 17. Februar 2017:]

Pflegegrade: Tipps für die Umsetzung (Teil 4)
Version 1.05 - 2017
Stand: 17. Februar 2017
Titelthema: 20. Februar 2017
Zum Artikel

Protokoll über die Begutachtung eines Bewohners durch den MDK
Version 1.51 - 2017
Stand: 17. Februar 2017
Titelthema: 20. Februar 2017
Zum Artikel

außerdem neu wegen der aktuellen Grippewelle:

Standard "internes Meldewesen bei Infektionskrankheiten" (aktualisiert)
Version 2.05 - 2017
Stand: 17. Februar 2017
Titelthema: 20. Februar 2017
Zum Artikel

42 Gedanken zu “Pflegegrade [4. Update]

  1. Anonymous

    @ Protokoll Begutachtung

    Gibt´s das auch für "ambulant" ?
    Hier kämen (aus meinem Nähkästchen) noch hinzu :
    - Pünktlichkeit : Wurde über Verspätung oder Nichterscheinen informiert ?
    - Hygiene : Grundlagen dem Gutachter bekannt ?
    - Bekleidung des Gutachters : Dem Anlass angemessen ?
    - (nicht zur Veröffentlichung geeignet)

    Antwort
    1. Paul

      Pünktlich? Eine Stunde plus minus wären schon traumhaft!
      Hygiene? MDK-Mitarbeiter sind automatisch aseptisch. Ärzte beim MDK sind von Natur aus steril.
      Bekleidung? Ist es Gucci oder aus dem Altkleidercontainer? Wer weiß!

      Antwort
  2. Chefkoch

    Ein Protokoll auszufüllen, ist wirklich mitunter praktisch. Wenn man bedenkt, wie lange sich der ganze Begutachtungsprozess hinzieht, ist es sinnvoll, eine Gedächtnisstütze zu haben. Da hat man manchmal gleich die richtige "Munition" für den Widerspruch.

    Antwort
    1. Paul

      Bei der Arbeitsbelastung drücke ich abends auf den mentalen "Delete-Knopf" und genieße die Stille zwischen den Ohren. Sonst könnte ich nicht mehr schlafen. Klar, dass einem dann eine Einstufung von vor vier Monaten dann nicht mehr so gewärtig ist.

      Antwort
  3. Frieda

    @ Millieutherapie

    - Durchführung/Architektur/... mit großen Fenstern und Glastüren ...
    Auch wenn die Verglasung nicht bis zum Boden reicht --- Senioren haben oft Einschränkungen des Blickfeldes. Und sei es durch die Gleitsichtbrille.
    ~~~ Aufkleber mit Raubvogelsilhouetten sind für wenig Geld zu haben und nutzen hier Mensch und Tier. ~~~

    - Durchführung/Innengestaltung
    Eine "Büroecke" im Wohnbereich selber (Schreibtisch, Bürostuhl, Papier und Stifte ~~~ eben was Eure Verwaltung so ausgemustert hat ~~~ ) bietet die Möglichkeit, den Bewohner "zur Arbeit" oder "zur Schule" zu bringen.
    Oder die Pflegekraft hat hier einen Platz um Schreibkram zu erledigen und gleichzeitig im Bewohnerkontakt zu bleiben.

    - Durchführung/Atmosphäre/monotone Geräuschquellen
    Wechseldruckmatratzen sind richtig nervig.
    * Steht das Aggregat auf dem Boden, fällt dem Bewohner darunter "akustisch die Decke auf den Kopf". ~~~ Wenn ein Antidekubituskissen ausgetauscht werden muss, hat es noch lange nicht ausgedient ! ~~~
    * Hängt es am Bett, hat der Bewohner eine "Vibrationsmassage", die die Nachtruhe ---- erschwert. ~~~ Ein Frotteehandtuch zwischen Haken und Bett sorgt für Ruhe. ~~~
    !!! Cave !!!
    "Wir wickeln elektrische Geräte nicht ein. Diese können so überhitzen und in Brand geraten. Geräuschdämpfung oder -dämmung beeinträchtigen die Funktion oder Sicherheit nicht. Wir lassen uns ggf. vom Hersteller oder Lieferanten des Geräts beraten."

    Antwort
    1. Die ersten beiden Punkte sind online. Danke für die Tipps.
      Beim dritten Punkt mache ich mich erstmal bei den Herstellern schlau, ob das überhaupt erlaubt ist. 😉

      Freundliche Grüße aus Lachendorf

      Johannes Kurth
      Service-Team

      Antwort
  4. Claudia

    Beim Durchlesen der Tipps bin ich etwas erleichtert. Grundsätzlich hat sich beim Prozedere also im Vergleich zu den Pflegestufen wenig geändert. Man muss jetzt halt nur anders rechnen.

    Zum Wegläuferthema: Wir haben gute Erfahrungen mit einer Bodenschleife gemacht. In dem Moment, wenn der Sender in die Nähe der Schleife kommt, löst das System einen Alarm aus. Dieser wird per DECT oder per Personenruf-Anlage an der Pflegekräfte weitergeleitet.

    Antwort
    1. Cheeseburger ohne Käse

      Leider hilft so ein System nur, wenn dann eine Pflegekraft sofort zum Eingang sprintet und den Ausreißer einsammelt. Wenn der jedoch gut zu Fuß ist, ist er nach drei Minuten schon einen Block weiter.

      Da ist ein GPS-System die bessere Wahl.

      Antwort
      1. BigM

        Ein 90-Jähriger legt keinen Sprint vor. Den kann man auch nach drei oder vier Minuten noch einholen. Natürlich ist die Lage ganz anders, wenn direkt vor der Haustür eine Bundesstraße ist.

        Antwort
  5. Frieda

    Wochenthema:
    Pflegevisite gem. Grad
    Fehlt:
    ~~~ Protokoll Pflegevisite
    - nach SIS komplett
    - nach AEDL mit Hervorhebung des "Selbstpflegedefizits"
    (Offenbar bezieht sich das "Grading-Verfahren" ja auf Orem)
    ~~~ Protokoll & Standard Dokuvisite nach SIS
    ~~~ SIS Mustermappe : Standard oder Empfehlung zum Inhalt und sinnvoller Strukturierung

    Antwort
    1. Kermit

      Noch mehr Protokolle für das neue Strukturmodell? Eigentlich sollte dieser Papierkrieg mit der SIS doch enden? Oder ist das mit der Entbürokratisierung nur so ein Gerücht?

      Antwort
    2. Claudia

      Pflege nach Orem? Davon habe ich lange nichts mehr gehört. Die Selbstpflegedefizit-Theorie hat mir noch nie gefallen, da sie für die Altenpflege einfach nicht passt.

      Antwort
  6. Victor

    Wir sollten uns freuen, das sich endlich mal etwas bewegt. Natürlich hat das neue System Schwachpunkte. Mich ärgert, dass die vollumfängliche Versorgung höher bewertet wird, als die Unterstützung und Anleitung. Auch die Umstellung auf die Pflegegrade kostet Zeit.

    Aber ernsthaft: Wer will die Minutenzählerei zurückhaben?

    Antwort
    1. Anonymous

      Immerhin brauchte man für die Pflegestufen kein Excel, sondern nur einen Taschenrechner.

      Ansonsten stimmte ich Dir zu: Geben wir den Pflegegraden eine Chance. Schlimmer kann es ja nicht kommen.

      Antwort
    2. Herr von N.

      Wir haben es testweise für einige Bewohner durchgerechnet. Letztlich bringt es in unserem Fall finanziell nur leichte Zuwächse. Allerdings ist unserer Klientel auch tentenziell körperlich beeinträchtigt.

      Vermutlich sieht die Rechnung auf einer Demenzstation ganz anders aus.

      Antwort
    3. wastl

      Hallo Victor,

      ich wir haben die ersten Neu-Eingradungen absolviert, und ich kann nur sagen, es ist unangenehmer und zäher als befürchtet. Ich hätte die Minutenzählerei gern zurück. Die Minuten waren objektive Anhaltspunkte, um den Pflegebedarf in einer zugegebenermaßen relativ willkürlich gesetzten Form zu ermitteln. Stattdessen wird jetzt über das Ausmaß einer Handreichung diskutiert, über die Grenzen von "überwiegend selbständig" zu "überwiegend unselbständig" usw., und dass bei fehlendem Bezugsrahmen wie definierte Zeitfenster und schwammiger Bewertungen der früheren Ersschwernisfaktoren und Pflegerisiken. Wie immer man den zeitlichen Aufwand bewertet wollte, ob angemessen oder nicht, er stellte zumindest einen Anhaltspunkt dar, und im Pflegestufenmix konnte man mit konsequentem Pflegestufenmanagement eine gute und mehr als ausreichende Personalmenge einstellen. Und jetzt? Kunden, die eine sichere Pflegestufe 2 gewesen wären, sind jetzt kaum in Pflegegrad 3 zu bekommen. Und schon mal die neuen Personalschlüssel angesehen? Für NRW kann ich nur sagen, dass die neuen Pflegeschlüssel im stationären Bereich zum Nachteil der Kunden angepasst worden sind. Das PSG II und alles, was damit zusammenhängt, ist zuallererst eine Entscheidung gegen die stationäre Pflege generell gedacht, so viel steht fest. Pflegebedürftigkeitsbegriff und NBA wurden von der Politik (Beirat für die Überarbeitung des Pflegebedürftigkeitsbegriffs), MDK und Pflegewissenschaft erarbeitet. Was sollte da schon anders rauskommen als ein schöngefärbtes Instrument zur Ausgabensenkung im Pflegeversicherungssektor. Statt auf die Pflegestufen werden die PPL jetzt eben auf Pflegegrade geschrieben, dabei bleiben sie so handlungsirrelevant, wie sie es vorher auch schon waren. Das alles ist wie Ahoi!-Brause. Schäumt von allen möglichen medialen Wassern gewaschen grad so schön auf, und fällt dann genauso schön in sich zusammen, und dann wird es wieder mal bei den Pflegepraktikern heißen: Willkommen in der Vergangenheit, schade um die verpasste Zukunft.

      viele Grüße
      wastl

      Antwort
    4. Kermit

      Ich will weder das eine noch das andere. Die Pflegestufen waren einfach, aber unfair. Die Pflegegrade sind gerechter, aber so komplex, dass kaum einer durchblickt. Beide Systeme sind Müll.

      Antwort
  7. Georg

    Im Grunde ändert sich nicht so viel. Man muss halt darauf achten, dass man die demenziellen Einschränkungen gut herausarbeitet, um hier die Punkte zu bekommen.

    Antwort
    1. Mika

      Genau hier liegt der Hase im Pfeffer: Wir haben uns in den letzten Jahren immer auf die körperlichen Einschränkungen konzentriert, weil diese für die vorherigen Pflegestufen entscheidend sind. Jetzt liegt der Schwerpunkt auf den kognitiven Einschränkungen. Selbst erhebliche Einschränkungen etwa in der Mobilität reichen jetzt nicht mehr für einen hohen Pflegegrad, wenn nicht auch eine Demenz vorlieg.

      Antwort
      1. Herr von N.

        Auch mit rein körperlichen Pflegeproblemen kommt man schon weit. Es gibt ja auch Schwerstpflegefälle ohne kognitive Defizite. Natürlich: Demenzielle Erkrankungen zählen viel, wenn man in Richtung PG 4 oder 5 will.

        Antwort
    2. Victor

      Eine gute EDV-Doku macht das vollautomatisch. Man muss nur jetzt daran denken, diese Punkte konsequent einzutragen.

      Antwort
  8. Paul

    Den Pflegegrad-Rechner auf DVD für 100plus Euro habe ich auch schon entdeckt. Ob sich das Ding gut verkaufen wird? Ich habe da so meine Zweifel! 😉

    Antwort
      1. Anonymous

        Diese Rechner dienen uns ja nur als Information. Am Ende entscheidet der MDK über die Punkte. Und dessen Punkterechner wird ja wohl funktionieren.

        Antwort
      1. Anonymous

        Da wäre ich mir nicht so sicher. Die Pflegegrad-Formeln haben es in sich; insbesondere bei der Gewichtung der einzelnen Blöcke. Einfaches Aufsummieren reicht da nicht.

        Antwort
  9. Cheeseburger ohne Käse

    Das ganze System ist Augenwischerei. Es gibt nicht mehr Geld. Oder hat die Pflegekasse jetzt eine Gelddruckerei? Der Schotter wird nur neu verteilt. Demenzpatienten bekommen etwas mehr, orientierte Senioren (auf lange Sicht) entsprechend weniger.

    Antwort
    1. Paul

      So wie ich es verstanden habe, macht die Pflegekasse derzeit rund 500 Millionen Euro Überschuss pro Jahr. Es gibt also durchaus Finanzmittel für eine Verbesserung der Versorgung.

      Antwort
          1. Frieda

            Die Leistungen nicht.
            Also werden die Prüfkriterien/Bemessungsgrenzen wohl dran glauben müssen. Die neuen BRi`s haben vermutlich kein allzu langes MHD.

          2. Victor

            Zur Not werden die Defizite aus dem Steueraufkommen ausgeglichen; ähnlich wir im Rentensystem. Das ist keine ideale Lösung, aber eine Leistungskürzung wird es sicher nicht geben.

      1. Herr von N.

        Es wäre schön, wenn solche Mittel dort ankommen würden, wo sie gebraucht werden. Aber ich vermute, da halten gesellschaftliche Gruppen die Hand auf, die über eine besser Lobbyarbeit als die Pflege verfügen.

        Antwort

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