Demenz / AEDL und SIS [Teil 3]

Bei seinen Prüfungen nimmt der MDK gerne auch die Pflege- und Maßnahmenplanungen unter die Lupe. Denn längst nicht alle Mitarbeiter sind in der Lage, die komplexen Ablaufpläne korrekt zu formulieren und pflegefachlich zu begründen. Wir stellen daher umfangreiche Standardmaßnahmenpläne in zwei Varianten für AEDL und für das neue Strukturmodell / SIS bereit. In dieser Woche setzen wir unsere Serie zur Maßnahmenplanung bei Demenz fort.

Wir freuen uns auf Kritik, Verbesserungsvorschläge und Praxistipps. Sie können uns Ihre Einschätzung per eMail an info@pqsg.de senden oder direkt hier in den Blog posten.

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Standardmaßnahmenplan "Schwere Demenz" (neues Strukturmodell / SIS)
Version 3.05a - 2018
Stand: 20. Januar 2017
Titelthema: 22. Januar 2018
Zum Artikel

Standardpflegeplan "Schwere Demenz" (AEDL)
Version 3.05a - 2018
Stand: 20. Januar 2017
Titelthema: 22. Januar 2018
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32 Gedanken zu “Demenz / AEDL und SIS [Teil 3]

  1. Frieda

    Die Schweregrade der Demenz sind schwer abzugrenzen.
    (M.E. eine ärztliche Diagnose notwendig)
    Auch die Tagesform des Patienten/Bewohners ist maßgebend:
    An manchen Tagen gestaltet er seine Umgebung hoseninhaltbraun; an anderen Tagen (besonders bei der MDK-Begutachtung) erscheint er völlig orientiert.
    Auch der Maßnahmenplan muss auf dieses Wechselbad ausgerichtet sein ... d.h. er wird endlos....

    Antwort
    1. S.A.M.

      Die veränderliche Tagesform muss vor allem in der "normalen" Pflegedoku abgebildet werden. Aus dieser muss vervorgehen, dass die Prüfungssituation nicht der der Norm entspricht. Wenn dieses durch detailierte Einträge belegt ist, bestehen gute Chancen, dass der Gutachter dieses akzepiert.

      Antwort
  2. Fred

    Demenz ist ein unglaublich komplexes Thema. Ich glaube nicht, dass sich dieses Thema für einen Expertenstandard eignet. Jeder Bw. ist "anders" dement. Wie soll das vereinheitlich werden.

    Antwort
    1. S.A.M.

      Ein Expertenstandard hat den Vorzug, dass alle üblichen Maßnahmen auf den Prüftstand der Pflegewissenschaft kommt. So ist es unverständlich, dass noch immer am Snoezelen-Konzept festgehalten wird, obwohl die Wirksamkeit trotz vieler Versuche nicht bewiesen werden konnte.

      Antwort
  3. Bernhard Stärck

    Standardformulierungen im Maßnahmenplan sind beim Strukturmodell ausdrücklich nicht gewünscht sondern es ist die Fachlichkeit der Pflegefachkräfte und deren individuelle Planungen in Absprache mit den Kunden gefragt. Das Strukturmodell orientiert sich (erfreulicher Weise) eben nicht an den Wünschen des MDK sondern an der pflegebedürftigen Person. Wer sich weiterhin in alle Richtungen doppelt und dreifach absichern möchte, sollte lieber bei der Pflegeplanung nach den AEDLs bleiben.

    Antwort
    1. Vic

      In der Theorie ist das völlig richtig. In der Praxis habe ich viele Kollegen, die zwar pflegepraktisch absolut auf der Höhe sind, sprachlich jedoch viele Defizite aufweisen; dieses etwa aufgrund eines Migrationshintergrunds. Deren Versuche, eine Maßnahmenplanung frei zu formulieren, enden zumeist mit einem unzufriedenstellenden Ergebnis, das auch vor dem MDK nicht bestehen würde.

      Meine Erfahrung nach sind vorgefertigte Textbausteinsammlungen eine enorme Arbeitserleichterung, die am Ende auch zu besseren Resultaten führt.

      Antwort
      1. S.A.M.

        Dieses Schwäche wird noch mehr zutage treten, wenn - wie gewünscht - noch mehr MA aus Südosteuropa in die Pflege einsteigen. Unter solchen Bedingungen hat das einfachere AEDL Vorteile.

        Antwort
    2. Martin

      Das im neuen Strukturmodell vorausgesetzte sprachliche Niveau der Pflegekräfte ist illusorisch. Um dieses zu kompensieren, sind Standardmaßnahmenpläne aber nur eine Option. Die andere ist eine intensive Fortbildung der Mitarbeiter; ggf. auch eine Nachschulung von Mitarbeitern ohne Deutsch als Muttersprache. Dieses ist zeit- und kostenintensiv.
      Eine weitere Lösungsmöglichkeit ist eine softwaregestützte Erstellung der Maßnahmenplanung. Dieser Weg ist auch nicht billig und arbeitet ebenfalls mit Textvorschlägen, womit der Grundgedanke des neuen Strukturmodells auch hier konterkariert wäre.
      Es bleibt also die Frage, ob sich ein Umstieg von AEDL auf das neue Strukturmodell mittelfristig rechnet.

      Antwort
      1. Paul

        Genau deshalb rechnet sich der Wechsel hin zum neuen Sturkturmodell in vielen Fällen nicht. Ich investiere zig-tausende Euro, nur um kleckweise Centbeträge wieder einzusammeln.

        Antwort
        1. Fred

          Manchmal findet am als neuer QMB einen solchen Doku-Mist vor, dass man ohnehin von "Null" anfangen muss. Dann ist es vernünftig, gleich mit dem neuen Strukturmodell anzufangen und AEDL in Rente zu schicken.

          Antwort
    3. Bibo

      Abgesehen von der Mustertexten auf dieser Homepage sind überdies auch div. Bücher mit Formulierungshilfen für SIS-Anwender enthalten. Einfach mal bei Amazon nach "SIS" suchen. Das zeigt doch schon, dass das neue Strukturmodell so schrecklich logisch und anwenderfreundlich nicht sein kann.

      Antwort
      1. Paul

        Ich hätte da keine Hemmungen, solche Hilfen einzusetzen. Beim AEDL-System funktioniert es doch auch. Der Vorzug von Büchern ist, dass viele ältere Kollegen diese lieber nutzen, weil sie keine Computer anfassen möchten.

        Antwort
  4. Frieda

    Mittlere Demenz AEDL / Essen & Trinken / Punkt 6

    Läuft der Bewohner ständig umher, würde ich als "Versorgungsstation" keinen "kleinen Tisch" wählen, sondern einen Stehtisch, damit das Essen und Trinken auch ins Blickfeld gerät. Auch das Anreichen der Nahrung ist bei motorisch unruhigen Bewohnern oft im Gehen oder Stehen einfacher. Wird der Mensch zunächst einmal zum Sitzen genötigt, ist auch die Akzeptanz der weiteren Maßnahmen ... nicht unbedingt zu erwarten.

    Antwort
  5. Paul

    Die Maßnahmenplanung darf nicht zu umfangreich werden, auch wenn sich der MDK natürlich immer einen halben Roman wünscht. Wann möglich sollte auf das QMH verwiesen werden. Warum sonst machen wir uns all die Mühe mit den Standards, wenn wir in der Maßnahmenplanung dann den ganzen Mist noch einmal reinschreiben?

    Antwort
    1. Paul

      Ergänzung: Wenn das QM-Handbuch in Schuss ist, schrumpft der Umfang der Maßnahmenplanung ganz fix auf ein Drittel. Die Arbeit lohnt sich also.

      Antwort
  6. Hamburger ohne Käse

    Die Nutzung eines Blasenkatheteres sollte in diesem (mittleren) Demenzstadium die absolute Ausnahme sein. Viele Pt. verletzen sich, wenn sie sich den Katheter selbst ziehen wollen. Zudem steigt durch die Manipulationen das Risiko von Infektionen.

    Zu Beginn der Demenz ist es erheblich leichter. Da versteht der Pt. den Sinn der Maßnahme noch halbwegs. Und wenn die Demenz weit fortgeschritten ist, lässt der Pt. den Katheter meist auch in Ruhe liegen, etwa weil er nur noch dahindämmert.

    Antwort
  7. Martin

    Wertgegenstände haben auf einer Demenzstation nichts zu suchen. Jeder Gegenstand, der irgendwie interessant glänzt oder merkwürdige Geräusche von sich gibt, wird angefasst, untersucht und ein paar Zimmer weitergetragen. Dann ist er zwar nicht gestohlen, aber eben auch weg.
    Ansonsten sollten alle wichtigen Objekte (per Lackstift o. Ä.) mit den Initialen des Besitzers markiert werden. Auf einer Station mit 25 Leutchen weiß irgendwann keiner mehr, wohin diese Jacke oder jene Bürste gehört.

    Antwort
      1. Frieda

        Hhhhmmm...

        - Fr. "von und zu" ist es lebenslang gewohnt, ihre "Klunker" zu tragen.
        Nun ist sie aber dement und in der stationären Einrichtung gelandet.
        Auf ihren Schmuck mag sie natürlich trotzdem nicht verzichten.
        (Stichwort: Selbstwertgefühl)
        - Wir beraten die Bewohnerin/Angehörigen/Betreuer den hochwertigen Schmuck (für den täglichen Gebrauch) durch Imitate zu ersetzen und die Originale im Safe der Bank oder der Pflegeeinrichtung zu deponieren.

        Antwort
        1. admin71

          Vielen Dank für den Hinweis. Den Punkt haben wir bereits integriert, allerdings erst in fortgeschritteneren Stadien der Demenz. Siehe Standardmaßnahmenplan "mittlere Demenz" (erscheint am nächsten Montag). "Wertvoller Schmuck wird von uns sicher verwahrt. Die Bewohnerin erhält Modeschmuck, der optisch ähnlich wirkt."

          Zugegeben: Dieses bezieht sich auf einen Austausch ohne Wissen des Bewohners, der natürlich erst im späteren Krankheitsverlauf möglich ist.

          Antwort
          1. Frieda

            Tjä, das seht Ihr genauso wie meine Leitung.
            Besser fände ich, den Bewohner von anfang an offen "mitzunehmen".
            Wenn er/sie im späteren Krankheitsverlauf einen lichten Moment hat und den Austausch bemerkt, ist die "Baustelle" ungleich größer.

    1. Hamburger ohne Käse

      Die Hinterlegen sämtlicher Wertstücke ist allein schon aufgrund der Betrügereien an der Haustür sinnvoll. Erst vor wenigen Tagen hat ein falscher Polizist einen 89-Jährigen um 1000 Euro gebracht - und um den Schmuck der toten Ehefrau.

      Antwort
  8. Frieda

    (AEDL)
    - Sekundärsymptome:
    + Affektiertheit (Die Defizite werden überspielt.)

    - Sich bewegen (besonders bei Parkinson...)
    Der Bodenbelag sollte keine Farb- oder Helligkeitskontraste haben.

    - Ruhen und Schlafen
    Kaffee kann einen Kontraeffekt haben.
    Meine Mutter konnte nach einem großen Pott Kaffee hervorragend schlafen.
    (Maßnahme: Biografie + Versuch)

    - Für sichere Umgebung ... (ambulant)
    * Problem: Der Patient vergisst den Schlüssel einzustecken und sperrt sich aus.
    * Wir kleben an die Innenseite der Wohnungstür oberhalb der Klinke einen Din-A-4-Zettel mit einem großen Schlüsselsymbol und einem Fragezeichen.

    - Demenz und Depression sind eine unheilige Allianz. Das eine kann das andere vorgaukeln. Treten sie gemeinsam auf, verstärken sie sich gegenseitig.
    Das muss uuunbedingt fachärztlich abgeklärt und behandelt werden.
    * (!) * Bei Gabe von Psychopharmaka regen wir eine engmaschige Laborkontrolle an. (Manche "Teilchen gem. AVO" können das Natrium bis zum Herzversagen `runterfahren.)

    Antwort
    1. Martin

      >> + Affektiertheit (Die Defizite werden überspielt.)

      Stimmt. Die schauspielerischen Fähigkeiten vieler Demenzkranken sind bemerkenswert. Wenn Betroffene sich zusammenreißen, merkt man kaum etwas von der Krankheit.

      Antwort
    2. Hamburger ohne Käse

      Fatalerweise jagt vielen (mir bekannten) Hausärzte schon die Erwähnung zusätzlicher Laboruntersuchungen einen Schauder über den Rücken. Das Budget - das Budget 😉

      Antwort
    3. Paul

      Einfach den Schlüssel per Schlüsselband morgens an der Hose anklipsen und dann in die Seitentasche stecken. Falls der Pflegeempfänger nicht den Schlüssel bewusst abmacht, kann kaum noch etwas passieren.

      Allerdings muss der Pflegeempfänger wissen, dass er dann nur am Band ziehen muss, um den Schlüssel in der Hand zu halten.

      Antwort

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